„Digitale Zwillinge“ und „virtuelle Behandlungswege“ als Thema bei einer Ökosystem-Veranstaltung 

Die Afterwork-Veranstaltung des CleverHealth Network-Ökosystems im September (25.9.2025) brachte eine vielfältige Gruppe von Experten zusammen, um über das Thema „Digitale Zwillinge und virtuelle Behandlungswege“ zu diskutieren. Das Thema wurde intensiv beleuchtet, begleitet von Fachvorträgen und einer interaktiven Podiumsdiskussion. Gastgeber der Veranstaltung war CGI. 

Bei den internen Afterwork-Veranstaltungen des CHN-Ökosystems werden aktuelle Themen und neue Projektvorschläge vorgestellt und ausgewählte Themen unter den Mitgliedern des Ökosystems diskutiert. Dieses Mal ging es insbesondere darum, eines der Themen der CHN-Roadmap – „Digitale Zwillinge und virtuelle Behandlungswege“ – aus der Perspektive verschiedener Akteure zu beleuchten. 

Die Begrüßungsrede des gastgebenden Unternehmens hielt Niraj Sood, Leiter der Geschäftsbereiche Finnland, Polen und Baltikum bei CGI. In seiner Eröffnungsrede betonte er, dass die Zusammenarbeit mit Partnern – einschließlich Wettbewerbern – sowie das Handeln innerhalb von Ökosystemen zentrale Erfolgsfaktoren in der heutigen Welt seien. CGI ist ein bedeutender Akteur in Finnland mit rund 3.700 Mitarbeitern an 11 Standorten und engagiert sich stark dafür, die Herausforderungen im Gesundheitswesen durch Digitalisierung zu bewältigen.  

Bevor man sich eingehender mit dem Thema des Tages befasste, berichtete Pekka Kahri über aktuelle Entwicklungen im Innovationsnetzwerk der europäischen Universitätskliniken (EUHA), in dem er als Vertreter von HUS tätig ist. Die internationale Zusammenarbeit ist ein zentraler Bestandteil der Aktivitäten des CHN-Ökosystems, und die EUHA, die elf bedeutende Universitätskliniken umfasst, bietet hierfür einen wichtigen Kanal. Zu seinen Zielen gehören unter anderem der Austausch bewährter Verfahren sowie die Förderung der Innovationszusammenarbeit zwischen den führenden europäischen Krankenhäusern und deren Partnernetzwerken.  

Digitale Zwillinge – was bedeuten sie und welche Möglichkeiten bieten sie? 

Das Potenzial digitaler Zwillinge aus Sicht des HUS wurde von Sirpa Arvonen, Leiterin der Abteilung für digitale Entwicklung, erläutert. In ihrem Hintergrundvortrag gliederte sie das Thema in drei Teile. Der digitale Patient wäre eine dynamische, datengesteuerte virtuelle Darstellung eines einzelnen Patienten, der Funktion eines Organs oder eines biologischen Systems, was eine individuelle, maßgeschneiderte Behandlung ermöglicht. Bei der Steuerung der Krankenhausabläufe und -prozesse („Das Krankenhaus als Fabrik“) unterstützt der digitale Zwilling wiederum die strategische und operative Planung, unter anderem bei der Optimierung von Abläufen, Patientenströmen, Personalressourcen sowie der Nutzung von Räumlichkeiten und Geräten in Echtzeit. Auf Systemebene verbindet er klinische und nicht-klinische Prozesse zu einer einzigen Echtzeit-Übersicht für das Management. 

Miika Leminen und Taina Kolehmainen von CGI haben in ihrem Vortrag „Das Zeitalter der digitalen Dreier“ eine neue Dimension in dieses Thema eingebracht. Unter dem „digitalen Dreier“ versteht man künstliche Intelligenz, die die digitalen Zwillinge verschiedener Bereiche eines Dienstleistungssystems flexibel miteinander verbindet, um Kunden bestmöglich zu bedienen. Die künstliche Intelligenz ist in der Lage, Vorhersagemodelle der fortgeschrittenen Analytik als Werkzeuge zu nutzen und auf dieser Grundlage statistisch fundierte Vorschläge für bestimmte Herausforderungen zu erarbeiten. Es handelt sich dabei um ein an sich recht einfaches Konzept: Da die Nutzung eines digitalen Zwillings in der Regel spezielle Fachkenntnisse erfordert, wird mithilfe der künstlichen Intelligenz eine Ebene zur Nutzung des Zwillings geschaffen (z. B. in Form eines Assistenten- oder agentenähnlich), wodurch den Fachkräften im Sozial- und Gesundheitswesen genau jene Informationen aus dem digitalen Zwilling bereitgestellt werden können, die sie jeweils benötigen, um sich einen Überblick über die Gesamtsituation zu verschaffen und so die täglichen Entscheidungsprozesse zu unterstützen. 

Miika Koskinen vom HUS beleuchtete die Forschungsperspektive und die Zukunftsperspektiven. Er wies eingangs darauf hin, dass es bei digitalen Zwillingen um die Modellierung der Realität gehe und dass bereits seit langem verschiedene Arten der Modellierung praktiziert würden. Ein medizinischer digitaler Zwilling ist ein dynamisches, virtuelles Modell physiologischer oder pathologischer Prozesse, das Echtzeit- und historische Daten enthält und dabei hilft, Krankheiten und Anomalien zu überwachen, vorausschauender Erkennung und der Optimierung der Behandlung. In der Forschung wurden digitale Zwillinge unter anderem zur Modellierung verschiedener Organe (u. a. Herz, Lunge, Nieren), von Krankheiten (u. a. Krebs, Kardiologie, Neurologie, Orthopädie), auf systemischer Ebene (u. a. das Immunsystem), in der Arzneimittelentwicklung sowie bei der Planung klinischer Studien und auch von Krankenhausabläufen eingesetzt. Unter Bezugnahme auf seine eigenen Forschungsergebnisse betonte er, dass die individuelle Anpassung von Behandlungen auf der Grundlage persönlicher Merkmale ein Verständnis sowie ein Modell der Heterogenität der Population als Grundlage erfordert. 

Die Vorträge stießen auf großes Interesse, und das Thema wurde im Rahmen einer interaktiven Podiumsdiskussion, an der sich das Publikum aktiv beteiligte, noch eingehender beleuchtet. Als Podiumsteilnehmer fungierten Nyrki Rantonen und Miika Koskinen von HUS, Taina Kolehmainen und Miika Leminen von CGI sowie Markku Heinovon Spinverse als Moderator. Die Themen wurden im Rahmen des Networking-Teils weiter vertieft, bei dem auch themenbezogene Demos von CGI präsentiert wurden. 

Die Veranstaltung hat ihr Ziel erreicht, ein gemeinsames Verständnis für die Chancen und Herausforderungen digitaler Zwillinge im Gesundheitswesen zu schaffen.  Auf dieser Grundlage lässt sich nun gut damit beginnen, neue konkrete, bedarfsorientierte Entwicklungsprojekte auf den Weg zu bringen.